Ich stehe am Wanderparkplatz und warte auf meine Klientin. Es ist Herbst und das Wetter für die Tour ist traumhaft. Ich habe eine südseitige Tour ausgesucht, damit wir trotz des waldigen kurzen Anstiegs noch ein paar Sonnenstrahlen genießen können. Oben wartet ein kleines Plateau auf uns, wo wir Rast machen werden. Ein guter Platz, um das auf dem Anstieg bereits Besprochene, nochmal zusammenzufassen und auf Metakarten zu notieren.
Neben mir parkt ein älterer Herr, ich habe ihn schon öfter in der Gegend beim Wandern gesehen. Er spricht mich an. „Grias di. Jetzt hab i di scho mehrmals gsehn. Aber i woas no immer ned was du da beim Wandercoaching eigentlich machst? Wo is an des?“ Ich habe noch ein paar Minuten, bis meine Klientin kommt und so beginne ich ihm kurz zu erläutern was Wandercoaching ist.
Oft werde ich gefragt: Was ist Wandercoaching? Wie läuft so ein Wandercoaching ab? Wie lang ist man unterwegs? Kann man Wandercoaching das ganze Jahr über machen? Viele Fragen auf die ich nun mal im Detail eingehe:
Was ist ein Wandercoaching und welche Vorteile bietet es?
Ein Wandercoaching ist ein Persönlichkeits- oder Businesscoaching in freier Natur. Also out of the box. Weg vom klassischen Setting mit Sitzen auf zwei Stühlen, Büroluft und einer räumlichen Begrenzung. Hin zur Vorwärts- oder Aufwärts-Bewegung und einer wohlwollenden Begleitung Schulter an Schulter. Mit dem Blick nach vorne zur möglichen Lösung gerichtet. Innehalten nach einer bereits zurückgelegten Strecke, neue Perspektivwechsel beim Blick ins Tal und das Gefühl etwas für sich mental und körperlich getan zu haben. Die Natur fungiert als metaphorische und physiologische Unterstützerin mit all den positiven Effekten. Das Coaching selbst folgt dem systemisch lösungsorientierten Ansatz und so erhält der Klient mithilfe von Fragen und Coaching-Tools neue Perspektiven und Ansätze zu seinem Anliegen.
Wandercoaching unterstützt die individuelle Persönlichkeitsentwicklung und begleitet Menschen in Veränderungsprozessen, egal ob privat oder beruflich. So hat die Klient:in die Möglichkeit mithilfe von Coachingfragen und Methoden in freier Natur all seine Potentiale zu entdecken, sich ihrer Stärken bewusst zu werden, Klarheit in zwischenmenschliche Beziehungen zu bringen und in zukünftigen Konfliktsituationen souverän reagieren zu können.
Wie läuft ein solches Wandercoaching ab?
Bei einem Einzelcoaching wird zu Beginn des Coachingprozesses das Anliegen des Klienten mittels eines telefonischen ersten Austauschs erfragt. Innerhalb dieses Gesprächs wird mithilfe von Impulsfragen das Ziel für das Coaching in freier Natur gemeinsam definiert und der Ablauf für das individuelle Leistungsniveau abgestimmt. Der Coach sucht daraufhin eine passende Tour in Bewegung
beim Wandern mit oder ohne Höhenmeter aus. Zur Vorbereitung auf das Naturcoaching vor Ort erhält der Klient noch weitere Impulsfragen und mögliche Arbeitsblätter, um seine Gedanken und Fragestellungen zu sortieren.
Das Coaching in freier Natur ist wie ein Spaziergang mit zahlreichen offenen Fragestellungen und neuen Perspektiven, die es dem Klienten ermöglichen in seinem Anliegen voranzukommen. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit sich bestimmter Situationen oder Verhaltensweisen bewusst zu machen. Dazu wird die Gelegenheit genutzt mal auf einer Bank zu reflektieren, seine Gedanken auf Metakarten oder einem Klemmbrett zu notieren. Mithilfe von Coachingübungen werden neue Positionen fernab klassischen Pfaden eingenommen oder eine Situation mit Naturmaterialien als Stellvertreter für Themen oder andere Beteiligte dargestellt. Zahlreiche wunderbare Ausblicke am Berg oder im Wald geben ein Bewusstsein für die eigenen Ressourcen, Stärken und Glaubenssätze. Im letzten Drittel des Coachings werden die entsprechenden Umsetzungsstrategien für den Veränderungswunsch miteinander erarbeitet und verankert.
Nach einer circa 2- bis 4-stündigen Session wird in einem professionellen und nachhaltigen Setting ein Termin für eine Nachbesprechung vereinbart. Dabei werden die erarbeiteten Lösungsansätze und die Umsetzung im Alltag gemeinsam reflektiert und gegebenenfalls justiert. Nachdem ein Wandercoaching, wie ein klassisches Coaching, ein Coachingprozess ist, kommt der Klient idealerweise circa 4-6 Wochen später zu seinem nächsten Coaching in freier Natur, um an seinem Anliegen oder Veränderungswunsch nachhaltig weiterzuarbeiten. Es ist sinnvoll mit durchschnittlich 5-8 Coachingeinheiten zu planen, um seinen Veränderungswunsch erfolgreich und nachhaltig zu festigen.
Einige Wandercoaching Formate finden auch in der Gruppe statt. Hier werden unterschiedliche Themen zum Wandercoaching in der Gruppe vorgegeben, so dass man sich inhaltlich auf die geplanten Punkte einstellen kann. Wie ein Wandercoaching in der Gruppe ablaufen kann, erfährst du im Artikel Wandercoaching in der Gruppe als Bildungsurlaub.
Was Machen wir bei schlechtem Wetter?
Meist warten Themen oder Konflikte nicht auf schönes Wetter. Nein sie kommen jederzeit und am meisten, wenn man sie nicht braucht. Die Natur ist da ein besonderer Lehrmeister. Täglich mehrmals Veränderungen, aber auch regelmäßige Abwechslung, wie auch Routinen. Da können wir uns noch einiges von der Natur abschauen. Wandercoaching ist bei allen Wetterlagen möglich, bei Sonne, Regen, Schnee, Wind oder Nebel. Meist haben diese Wetterlagen einen metaphorischen Impuls für unser Thema. Auch im Winter sind Touren jederzeit möglich. Wie schön ist es die ersten Spuren im Schnee zu gehen, dabei auf Tierspuren zu treffen und kurz mal zu rätseln, welches Tier hier wohl gerade über den Weg gelaufen oder gehoppelt ist. Oder über gefrorene Felder zu gehen, die sonst nicht so leicht passierbar sind. Ob bei Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang, ein Wandercoaching ist zu jeder Tageszeit möglich. Der besondere Reiz? Neue Erfahrungen machen, out of the box. Sich ein bisschen aus seiner Komfortzone zu wagen, immer mit dem Wissen einer professionellen Begleitung.
Die Natur als Co-Coach
Die Natur und die Weite der Landschaft wirkt beruhigend und fördert ein Gefühl von Freiheit, was den Stress im Vergleich zu geschlossenen Coaching-Räumen verringert. Zugleich fördert der Aufenthalt im Freien und die Bewegung in der Natur kreatives Denken und neue Perspektiven, was in einem traditionellen Setting oft schwerer zu erreichen ist. Anders als die räumliche Starre von Sitzpositionen und die räumliche Begrenzung im klassischen Coaching, fördern Naturerlebnisse die Verbindung zu sich selbst und der eigenen Gefühlswelt. Man ist mit allen 5 Sinnen im Wandercoaching dabei. Zudem fördern Duftstoffe sogenannte Terpene und die Farbe Grün unbewusst maßgeblich das sich Öffnen zu eigenen Themen und Reflexionsprozessen.
Wie fit muss ich für ein Wandercoaching sein?
Wandercoachings werden bei professionellen Coaches grundsätzliche an die körperlichen Fähigkeiten der Klienten angepasst. Dafür fragt der Coach den Gesundheitszustand, das Aktivitätslevel und die Erfahrungen bereits absolvierter Wanderungen oder Aktivitäten ab. Klar ist, dass die Reflektion des Themas im Vordergrund steht, so dass der Klient jederzeit in Ruhe und entspannt mit dem Coach im Austausch ist. Wandern ist grundsätzlich mit oder ohne Höhenmeter möglich, so entscheidet der Klient gemeinsam mit dem Coach welche Umgebung er favorisiert. Am See, am Fluss, im Wald, am Berg oder auf dem Berg, alles ist möglich was die Natur vor Ort bereithält.
Wofür ist ein Wandercoaching hilfreich?
Ein Wandercoaching kann besonders in Phasen unterstützen, die man als stark stress- oder konfliktbehaftet wahrnimmt und bisher keine Möglichkeit sieht wieder in mehr Klarheit und Entspannung zu kommen. Hier hilft der Blick auf das Thema in einer anderen Umgebung und mit anderen Methoden. So auch in Umbruchphasen des Lebens oder einer bewusst oder unbewusst angestrebten Neuorientierung. Wenn man eine gewisse Unzufriedenheit in sich wahrnimmt und sich privat oder beruflich verändern möchte, aber bisher noch nicht weiß wie. Eventuell sind Bedenken da, wieder in alte Muster zu rutschen. Gut unterstützen kann ein Wandercoaching, wenn eine neue Karrierestufe erreicht werden soll. Man in der neuen Position aber nicht in die gleichen unangenehmen Fettnäpfchen treten oder alte Rollen fallen möchte. Wenn man in Konfliktsituationen mit Kollegen, Partnern, Kunden oder Freunden selbstbewusster und selbstsicher auftreten möchte. Wenn es an der Zeit ist seine Kommunikationsfähigkeiten für verschiedene Bereiche im Leben auszubauen und bewusster für sich einzusetzen, um mit mehr Selbstvertrauen agieren zu können. Vielleicht nimmt man sich als stark verkopft war, wägt alles ab, kann schwer Entscheidungen treffen und schiebt so vieles und wichtiges auf. Da hilft ein Wandercoaching, bei dem man sich wieder bewusst wahrnehmen kann und Vertrauen zu seinem Bauchgefühl, seiner Intuition aufbauen kann. Genauer gesagt, ist Wandercoaching für jede:n, die:der Lust auf persönliche Weiterentwicklung in einem neuen Setting hat, und den Schritt nicht allein gehen möchte. Sondern mit einem wohlwollenden Sparringspartner, der mittels zielgerichteter Fragen neue Perspektiven aufzeigt, Mut macht und zur individuellen eigenen Lösung begleitet. Genau dann ist ein Wandercoaching hilfreich.
Du hast noch mehr Fragen zum Wandercoaching oder willst dich zu deinem eigenen Thema mal unverbindlich beraten lassen? Dann nimm mit mir Kontakt auf!
Ich freu mich auf dich.
Deine Franziska
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